
Spurensuche und Erinnerung, Erhalt und
Austausch, interkulturelle Projekte:
zu Besuch bei Bettina Hanstein
in der Synagoge Fénétrange
Als ich zum ersten mal mit Jasmin Benyahya nach Fénétrange fuhr, um dort die alte Synagoge zu besichtigen, wussten wir den Weg nicht genau. Im Ort angekommen schauten wir uns um, bogen im Schritttempo in schmale Gässchen ein, wo wir das Gebäude vermuteten und trafen dann mehr zufällig auf Bettina Hanstein, die dort auf einer Wiese stand, am grauen Junisonntag, und genüsslich Rauchkringel in den Himmel blies.
Ich erkannte sie sofort anhand eines Bild von ihr, das ich auf der Webseite der Synagoge gesehen hatte und sie erkannte uns gleichzeitig sofort als Besucher der Synagoge. Später würde sie sagen: „Es macht immer Spaß, Leuten das Haus und die Synagoge zu zeigen, die einen Sinn dafür haben... und das wusste ich gleich, als Ihr aus dem Auto ausgestiegen seid!“
Uns hingegegen strömte eine Herzlichkeit und eine Offenheit entgegen, die das Betreten eines fremden Hauses leicht machte – denn die Synagoge ist von außen als solche nicht zu erkennen. Es ist das Haus Nr. 13, welches sich in der Rue du Vieux Pensionnat in eine Häuserreihe ganz unscheinbar einreiht. Man betritt eine andere Zeit und ein ganz kleines Stückchen Geschichte in der Großen des Judentums der Region SaarLorLux.
Die Vorbesitzer hatten eine Bedingung: der Verkauf der Synagoge war nur zusammen mit dem angebauten Wohnhaus möglich, dabei eine alte Schmiede und ein Kuhstall, sowie ein kleines Stückchen Garten, alles angrenzend an die alte Stadtmauer. Bettina Hanstein stimmte zu. Und seitdem werden dort behutsam Spuren belassen und gleichzeitig vor dem Verfall bewahrt.
Als Laura Ziegler und ich dem Forum-Magazin einen Artikel über Bettina Hanstein und die Synagoge vorschlugen, wurden wir sogleich damit beauftragt. Im September, zum Tag der jüdischen Kultur, hatte Bettina Hanstein Henry Schumann, Mitglied des Consistoire Israélite des Département Moselle, eingeladen von seinen anekdotenreichen Streifzügen durch die Geschichte Lothringens, und seinem Bemühen um den Erhalt der Synagogen und jüdischen Friedhöfe zu berichten. Diese Gelegenheit nahmen wir für unser Vorhaben wahr.
Unter den Gästen an diesem Tag war auch Jean Lion, der letzte überlebende Jude der jüdischen Gemeinde Fénétrange sowie André Mailänder, der die von Bettina Hanstein gegründete Initiative Synagoge Fénétrange durch seine fotografischen Arbeiten unterstützt.
















Der Artikel von Laura Ziegler mit meinen Fotos ist im September 2011 im Forum-Magazin erschienen und kann hier nachgelesen werden: http://www.magazin-forum.de/%C2%A0kultur-ohne%C2%A0grenzen/
Weitere Informationen zur Initiative Synagoge Fénétrange finden sich auf der Webseite www.synagoge-fenetrange.de, über diese im Bereich „Projekte“ auch die Fotografien von André Mailänder zu sehen sind, aus deren Verkauf ein Drittel in den Erhalt und die Restaurierung der Synagoge fließen: http://www.synagoge-fenetrange.de/projekte_archiv_01.html